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Meine Faszination für Aktmalerei

Aktualisiert: 27. Aug. 2023

In diesem Beitrag möchte ich mich der häufig gestellten Frage widmen:

Warum kreierst du überwiegend weibliche Aktgemälde?

Die Antwort darauf ist ziemlich einfach:

Weil ich selbst eine Frau bin.


Was das genau bedeutet und was noch hinter dieser Aussage steckt, möchte ich euch in diesem Blogbeitrag verraten.


Foto: Tobias Clemens Richter


Identifikation und Inspiration

Künstler haben seit jeher Objekte und Dinge gemalt, mit denen sie sich identifizieren konnten und / oder die sie besonders stark inspirierten.

Ich identifiziere mich als privilegierte, zielstrebige, selbstbewusste und ausdrucksstarke Frau. Daher zeigen meine unzensierten Werke auch Frauen in eindrucksvollen Posen, die sich nicht verstecken. Zudem hat Weiblichkeit in all ihren Facetten eine sehr inspirierende Wirkung auf mich. Nicht nur, weil ich bereits selbst unfassbar großartige Frauen in meinem Leben kennenlernen durfte, sondern auch, weil ich den gesellschaftlichen Wandel vom Frauenbild über die Jahrzehnte hinweg äußerst interessant finde. Hinzu kommt, dass ich mich als Frau auch selbst immer wieder aufs Neue inspiriere.


Einflussfaktoren meiner eigenen Weiblichkeit

Um mich selbst als Quelle der Inspiration kurz zu erklären: Ich empfinde meine persönliche Entwicklung als Frau als sehr faszinierend, mental wie auch körperlich. In der Jugend war ich sehr geprägt von Selbstzweifeln, bezogen auf mein Körperbild. Auch wenn ich das meist gut verstecken konnte, hatte ich oftmals das Gefühl nicht in das gesellschaftliche Frauenbild zu passen.


Warum das so war, basiert auf verschiedenen Einflussfaktoren und einiges kann ich natürlich nur vermuten. Aber meine Generation war die erste, die in ihrer Pubertät mit dem Smartphone und dem ständig zugänglichen Internet konfrontiert wurde. Als junges Mädchen war das nicht unbedingt die beste Zeit, um von einer Flut perfekter Körper auf Instagram, Facebook und YouTube beeinflusst zu werden. Trends wie „Thigh Gap“ und halb verhungerte Mädels bei Germany‘s Next Topmodel sind mir auf jeden Fall in Erinnerung geblieben. Besonders deshalb, weil ich schon immer sehr sportlich war und dadurch die sogenannte „Oberschenkellücke“ für mich nie im Rahmen des Möglichen war. Dann erntete ich noch das ein oder andere kritisierende Kommentar zu meinem Körper, und ehe ich mich versah, war ich ein junges Mädchen, das ein komplett gestörtes und verzerrtes Körperbild entwickelt hatte. Der Einfluss von Medien und Internet machte dieses Bild zu allem Überfluss nicht besser.


Emotion auf Leinwand

Ich habe lange Zeit gebraucht, um mich von diesem kranken, gesellschaftlichen Frauenbild zu lösen und auch heute noch ist es ein ständiger innerer Kampf, weil man sich dem Druck der Gesellschaft nie vollkommen entziehen kann. Diesem Druck, dem ich mich als Frau in dieser oberflächlichen Gesellschaft ausgesetzt fühle und die damit verbundenen Emotionen, bringe ich auf meinen Leinwänden zum Ausdruck. Im Zentrum steht meine Vision, sich von gesellschaftlichen Normen und Erwartungen zu befreien und ein selbstbestimmtes, wahrhaftiges und ehrliches Leben zu führen – auch wenn das ein langer und harter Weg ist!


Mit der Zeit habe ich erkannt, dass ich mich keinem gesellschaftlichen Körperbild und irrsinnigen Erwartungen anderer unterwerfen möchte. In der Schule sowie im Studium habe ich mich deshalb bewusst von großen (Frauen)Grüppchen abgegrenzt und oftmals mein eigenes Ding gemacht, bzw. war lieber mit wenigen, aber dafür guten Freunden zusammen. Auch das war ein Prozess, den ich erst lernen musste. Oberflächlichkeit und negative Energien erkenne ich mittlerweile schon von Weitem und diese Personen haben einfach keinen Platz in meinem Leben. Ich will Tiefe, Demut und Ehrlichkeit – und wenn du das nicht hast, gehörst du nicht zu meinem inneren Kreis.


Nacktheit als Provokation

Ein weiterer entscheidender Punkt, der mich in meinem künstlerischen Ausdruck antreibt, ist die Macht der Provokation. Zwar ist unsere Gesellschaft gegenüber Nacktheit bereits offener geworden, dennoch stoßen unzensierte Aktgemälde immer noch an ihre Grenzen – und genau da setzt meine Kunst an. Was ich mit meinen Werken erreichen will, ist eingeschränkte Ansichten und engstirnige Meinungsvertreter aus ihrer Reserve zu locken, sie bewusst zu provozieren und gleichzeitig zu inspirieren. Ich nutze die Provokation der Nacktheit, um die Menschen dazu zu ermutigen, sich selbst und ihre wahre Natur zu erkennen. Die leicht abstrakte Darstellung soll es dem Betrachter ermöglichen, seine eigenen Empfindungen zu entdecken und eine tiefere Verbindung zur eigenen Identität und Sexualität herzustellen.


Sexualität ist hierbei zwar zweitrangig, aber keinesfalls irrelevant. Denn die Identifikation als Frau bedeutet für mich zwangsweise eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität. Die Verbindung von Aktmalerei und Sexualität ist auch ein sehr spannendes Thema, was mich neben dem Körperbild und dem gesellschaftlichen Frauenbild sehr interessiert. Hierzu könnte ich noch einen komplett neuen Blogbeitrag füllen, aber das führt an dieser Stelle zu weit.


Zusammenfassung

Ich kreiere überwiegend weibliche Aktgemälde, die vor allem der Inspiration meiner eigenen Existenz als Frau und meiner persönlichen Entwicklung als Frau in der Gesellschaft, mental wie körperlich, entspringen. Weiterhin drücken meine Werke den Prozess aus, gewisse Einflüsse und Meinungen der Gesellschaft sowie der Menschen, die mich umgeben zu verarbeiten, zu hinterfragen, mich abzugrenzen und meine eigene Realität zu kreieren. Und zu guter Letzt bringen sie meinen intrinsischen Drang danach zum Ausdruck, andere Menschen zu provozieren, sie aus der Reserve zu locken und ihre Sichtweisen zu hinterfragen und / oder zu erweitern. Mein Ziel dabei ist es herauszufinden, wie Menschen wirklich ticken, welche Werte ihnen wichtig sind und welche Haltung sie zum Leben haben.


Ich hoffe, ich konnte euch dadurch noch tiefer hinter die Fassade und Bedeutung meiner Kunst blicken lassen und möchte den Blog mit einem äußerst passenden Zitat von Frida Kahlo abschließen:


“Ich bin meine eigene Muse, ich bin das Thema, das ich am besten kenne. Das Thema, das ich noch besser kennenlernen möchte.”
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